Maria, ihm schmeckt's nicht

 

Willkommen auf einer rein privaten Satireseite.

 

Hier schreibt kein Sternekoch, kein Ernährungsexperte und schon gar kein Lebensmittelkontrolleur. Hier schreibt lediglich ein Bewohner einer Seniorenresidenz, der sich täglich fragt, ob sein Schnitzel jemals eine Bratpfanne gesehen hat.

 

Selbstverständlich ist alles hier subjektiv. Geschmäcker sind verschieden. Manche mögen ihr Fleisch rosa, andere durchgegart, wieder andere bevorzugen offenbar die Konsistenz einer gut erhaltenen Schuhsohle.

 

Unsere Küche versorgt sowohl Bewohner des Pflegebereichs als auch diejenigen des betreuten Wohnens. Das ist organisatorisch sicher eine Herausforderung. Manchmal entsteht dabei allerdings der Eindruck, als müsse grundsätzlich jedes Gericht den strengsten Anforderungen an maximale Sanftheit genügen.

 

Röstaromen? Eher eine seltene Naturerscheinung.

Ein Fischfilet? Gelegentlich erinnert seine Konsistenz an einen Kautschuk-Lehrgang für Fortgeschrittene.

 

Ein Rindersteak? Es verlässt die Küche häufig mit dem festen Willen, niemals wieder Saft zu verlieren – weil es längst keinen mehr besitzt.

 

Die Salzkartoffel bleibt der Überraschungsgast des Tages. Man weiß nie genau, ob sie heute angenehm mehlig, noch leicht glasig oder bereits philosophisch „al dente" sein möchte.

Und dennoch geschieht täglich ein kleines Wunder.

 

Fragt der Koch im Speisesaal: „Hat es geschmeckt?", ertönt fast geschlossen: „Jaaa, gut!“

Trifft man dieselben Menschen später beim abendlichen Plausch, entwickelt sich plötzlich eine bemerkenswert differenzierte Restaurantkritik: zu trocken, zu hart, verkocht, geschmacklos, Gemüse zu weich, Gemüse zu fest, Fisch zu gummiartig – und bei 35 Grad Außentemperatur ausgerechnet Sauerkraut.

 

Vielleicht ist das Alter eben nicht nur ein Lebensabschnitt. Vielleicht ist es auch die Kunst, höflich zu bleiben.

 

Diese Seite möchte niemanden angreifen. Sie möchte lediglich mit einem Augenzwinkern zeigen, dass zwischen „es schmeckt“ und „man sagt, dass es schmeckt“ manchmal ein kleiner, aber durchaus bemerkenswerter Unterschied bestehen kann.